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Gesamtkirchengemeinde

Vom Mittelalter in das 21. Jahrhundert?
Seit 2009 gibt es das Kirchspiel an Elbe und Seege. Fünf eigenständige Kirchengemeinden und zwei Kapellengemeinden haben ein gemeinsames Pfarramt und arbeiten erfolgreich zusammen. Ein großes Problem ist der aus rechtlichen Gründen erforderliche und extrem hohe Verwaltungsaufwand. Bei der Visitation wurde festgestellt: Das Ernstnehmen der einzelnen Orte und gleichzeitig die Entwicklung einer Gemeinschaft im Kirchspiel sind auf überzeugende Weise gelungen. Der Superintendent schreibt: „Das Kirchspiel ist ähnlich wie in der Strukturwelt der Raumplanung im Land Niedersachsen, die von einem ‚Regionalen Dorf‘ spricht, zum regionalen Kirchdorf mit vielen unterschiedlichen Ereignisorten geworden.“
Kirchturmdenken
Kirchturmdenken ist sprichwörtlich. Im Kirchspiel gestalten wir ein sehr positives Kirchturmdenken, in dem die Belange der Menschen in den einzelnen Gemeinden ernstgenommen werden. Gleichzeitig vermeiden wir untereinander eine schädliche Konkurrenz. Wir haben großen Respekt vor den Möglichkeiten jeder einzelnen Gemeinde und fördern uns gegenseitig, damit der christliche Glaube gemeinsam und auf vielfältige Weise vor Ort Gestalt gewinnt. Deshalb wollen wir keine Fusion der eigenständigen Kirchengemeinden.
Da es früher keine andere rechtliche Möglichkeit der Zusammenarbeit gab, haben wir den hohen Verwaltungsaufwand in Kauf genommen und uns auf die inhaltliche Zusammenarbeit konzentriert. Bisher konnte man entweder die Strukturen aus dem Mittelalter erhalten, oder eine Fusion durchführen. Seit kurzem gibt es eine neue rechtliche Form der Zusammenarbeit in einer „Gesamtkirchengemeinde“. Diese hat eine klare und einfache Struktur und entspricht dem Gemeindeleben im Kirchspiel. Eine Fusion hätte verwaltungsrechtlich Vorteile, würde aber die Eigenständigkeit der Gemeinden einschränken. Daher lehnen wir eine Fusion ab. Der Kirchspielvorstand hat einstimmig beschlossen, bei der Landeskirche die Bildung einer Gesamtkirchengemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechtes mit dem Namen „Kirchspiel an Elbe und Seege“ zu beantragen und die örtlichen Aufgaben in einer Satzung zu regeln.
Gelebtes Mittelalter
Verstehen kann man diese rechtliche Änderung nur, wenn man weiß, wie sich das historisch entwickelt hat. Wenn in vorreformatorischer Zeit ein Ort eine Kirche und einen Pfarrer hatte, war das eine Kirchengemeinde. Zu der konnten in einem Kirchspiel weitere Dörfer dazugehören. Hatte eines dieser Dörfer zwar eine eigene Kirche, aber keinen Pfarrer, wurde dieses Dorf zu einer Kapellengemeinde. Daher gab es die Kirchengemeinde Gartow mit der Kapellengemeinde Meetschow, aber Nienwalde war keine Kirchengemeinde. Restorf hatte einen eigenen Pfarrer und war daher Kirchengemeinde mit der Kapellengemeinde Vietze, aber Brünkendorf, Pevestorf und Laasche waren keine Kapellengemeinden. Schnackenburg war eine Kirchengemeinde, zu der Gummern und Stresow gehörten. Im Jahre 1455 gab es eine erste Abweichung von dieser Regel. Die Pfarrstellen Holtorf und Kapern wurden pfarramtlich verbunden, blieben aber selbständige Kirchengemeinden. Das blieb so bis zum Jahr 2017, obwohl es nur noch eine gemeinsame Pfarrstelle für die fünf rechtlich eigenständigen Kirchengemeinden und die beiden Kapellengemeinden gibt.
Die Gesamtkirchengemeinde ist eine Antwort auf die Reduzierung von fünf Pfarrstellen im Mittelalter auf eine Pfarrstelle in der Gegenwart. Sie sorgt für strukturelle Klarheit und ist damit eine wichtige Voraussetzung, dass die Pfarrstelle künftig wieder besetzbar ist, wenn Pastor Kruse voraussichtlich in 5 Jahren in den Ruhestand geht.
In einer Gesamtkirchengemeinde ist der Kirchspielvorstand mit dem Pfarramt für alle gemeinsamen Fragen zuständig. Daneben gibt es Ortskirchenvorstände, die sich um die Belange vor Ort kümmern und genauso wie bisher über örtliche Finanzmittel entscheiden. Kapellengemeinden werden den Kirchengemeinden gleichgestellt. Gemeinsame Fragen werden gemeinsam entschieden, örtliche Entscheidungen werden vor Ort getroffen.
Woran merkt man, dass es eine Gesamtkirchengemeinde gibt? Nicht am Gemeindeleben vor Ort oder im Kirchspiel. Nur bei den Kirchenvorstandswahlen. Der Vorstand des Kirchspiels wird von allen Gemeindegliedern gewählt. Damit jede Gemeinde vertreten ist, werden Wahlbezirke eingerichtet. Vor Ort kann man Kandidatinnen und Kandidaten aus der eigenen Gemeinde wählen. Wer die meisten Stimmen in einer Gemeinde hat wird gleichzeitig Vorsitzende oder Vorsitzender des Ortskirchenvorstandes. In Gemeindeversammlungen vor Ort kann man sich darauf verständigen, wer für welche örtlichen Aufgaben zuständig sein soll. Wir brauchen in jeder Ortskirchengemeinde Beauftragte für das Gemeindeleben, für die kirchlichen Gebäude und für die kirchlichen Friedhöfe.

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