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Unser Gemeindebrief

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Past is prologue“, sagte William Skakespeare. Die Vergangenheit liegt nicht zurück, sondern ist ein Prolog, ein Vorwort für Gegenwart und Zukunft. Das wurde den Jüngern Jesu nach Ostern bewusst. Was sie mit Jesus erlebt hatten, das lag nicht hinter ihnen, sondern sollte künftig ihr ganzes Leben bestimmen. Begeistert erzählten sie davon, wie der Tod nicht das Ende ist, sondern von Gott als neuer Anfang gesetzt wird. Sie erinnerten sich daran, wie Jesus bereits vor seinem Leidensweg an das Kreuz davon gesprochen hatte: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ (Joh. 14,19).

Aus dieser Erfahrung entwickelte die Kirche ein Ritual. Jahr für Jahr lassen wir uns auf die Passionszeit ein, und feiern zu Ostern die Auferstehung Jesu von den Toten. Zu Pfingsten feiern wir, wie der Heilige Geist uns nach Himmelfahrt befreit, schon im Abschied den Neuanfang zu erkennen. Das wollen wir im Zeitraum dieses Gemeindebriefes von März bis Mai rituell begehen.

Dieses alte Wissen droht verlorenzugehen. Denn wir leben immer stärker im Augenblick. Immer mehr Wissen ist digital verfügbar, gleichzeitig schwindet die Weisheit. Passionszeit ist dann der Zeitraum, in dem die Feuerwerkskörper von Silvester in Kaufhausregalen durch Osterhasen ausgetauscht werden. Aber was nutzt uns der schönste Osterschmuck, wenn wir darüber die Fastenzeit vergessen?

Dietrich Bonhoeffer zog aus der Leidensgeschichte Jesu die Erkenntnis: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Indem wir die Rituale des Kirchenjahres begehen, können wir uns wappnen für schwere Zeiten in unserem Leben. Christus sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Diese Ankündigung brauchen wir immer wieder neu als Zuspruch, denn wir werden von Schwerem nicht verschont. Dies erschließt sich nicht im Vorhinein. Doch wir werden diese Hilfe erfahren, wenn wir darauf angewiesen sind.

Daher lade ich Sie ein, sich dieser Dynamik im Ritual unserer Gottesdienste anzuvertrauen. Von der Passion bis Pfingsten. Denn Shakespeare hatte recht: „Past is prologue“.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Eckhard Kruse, Pastor

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