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Orgel Sommer Gartow

Die Konzertreihe Orgel – Sommer – Gartow wird in diesem Jahr eröffnet mit einem Konzert für Flöten und Orgel. Der Flötist Hartmut Ledeboer aus Mölln und der Organist Dr. Volker Jänig haben besondere Flöten bauen lassen, die für das Zusammenspiel mit der barocken Orgel geeignet sind. Die Orgel ist älter als der Kammerton a' und daher für das Zusammenspiel mit modernen Instrumenten nicht geeignet.
Das Eröfnungskonzert am 3. Juli steht unter dem Thema

„Freu dich sehr, o meine Seele“

Den Rahmen des Konzertprogramms bildet der Ewigkeitschoral „Freu dich sehr, o meine Seele“ von Christoph Demantius (1620). In bildreicher barocker Dichtung stellt der Choral die Not des irdischen Lebens den himmlischen Freuden gegenüber. So spricht der Dichter von den „Rosen“, die „unter spitzen Dornen“ stehen, von „Meereswellen“ und „ungestümem Wind“ (Str. 3), von „Welt und Teufel, Sünd und Hölle“ (Str. 4), aber auch davon, dass die „Morgenröte herleuchtet“, und von Christus als „Morgensterne“.

Wie in der barocken Malerei mit dem Prinzip des „Chiaroscuro“, dass der Gegensatz von Hell und Dunkel notwendig ist, um beide Seiten plastisch zur Geltung zu bringen, findet sich dieser Gegensatz genauso in der barocken Musik wieder. Insbesondere die italienische Musik des frühen 17. Jahrhunderts greift genau diese Gegensätzlichkeit auf und präsentiert dem Zuhörer in schnellem Wechsel einerseits zarte Klänge und dunkle Farben, andererseits aber auch glanzvolle spielerische Virtuosität, als wolle die Musik „mit den Engeln jubilieren“ (Str. 8) und spiegelt somit vielfältig die Strophen des Chorals wider.


Die Barockorgel in der Gartower St. Georg - Kirche entstand in den Jahren 1735 bis 1740 durch den Lüneburger Orgelbauer Johann Matthias Hagelstein, der bei Schnitgers Meisterschüler Matthias Dropa das Orgelbauer-Handwerk erlernt hatte.

Daher gibt es in Gartow eine ungewöhnlich prachtvolle Orgel. Sie enthält singende Principale, leuchtende und intensive Flötenstimmen sowie kernige und raumfüllende Zungenregister. Die Hagelstein – Orgel ist ein Erlebnis für Augen und Ohren – überzeugen Sie sich gerne persönlich beim Besuch des Orgel – Sommers 2019!

Im Anschluss an das Konzert lädt die Kirchengemeinde Gartow sehr herzlich ein zu Begegnungen mit den Künstlern, mit anderen Gästen und Menschen aus der Gemeinde.

3.7. Volker Jänig (Orgel), Lemgo und Hartmut Ledeboer (Flöte), Mölln

10.7. Christiane Klein, Bodenwerder

17.7. Dr. Friedhelm Flamme, Dassel

24.7. Prof. Klaus Eichhorn, Berlin

31.7. Axel Fischer, Bergen /Dumme

7.8. Oana Maria Bran, Lenzen / Elbe

14.8. Kasimir Anapliotis, Berlin

21.8. Hans-Ulrich Funk, Herzberg / Harz

28.8. Thore Stübner, Lüchow


Eindrücke vom Orgel Sommer

Langsam schiebt sie ihr Fahrrad über den Kirchplatz. Die Packtaschen sind mit dem Nötigsten gefüllt. Kleidung für warme Sonnentage, aber auch für den zu seltenen Regen. Ein schön gebundenes Buch, und ein Stift mit dem sie ihre Gedanken festhalten kann. Eine Wasserflasche, viel braucht man nicht auf dem Elberadweg. Dann stellt sie ihr Fahrrad ab. Verweilt ein wenig auf der Bank unter der Linde. Aus der Kirche wehen Orgelklänge herüber. Die Stundenglocke schlägt langsam und erinnert sie daran, wie kostbar die Zeit ist, die Gott ihr auf dieser einsamen Reise schenkt.

Eigentlich fühlt sie sich nicht richtig gekleidet für ein Konzert. Doch sie radelt zu ihrem Quartier, bringt das wenige Gepäck auf das Zimmer und geht am See entlang zum „Orgel Sommer“. Erleichtert stellt sie fest, dass die anderen auch nicht wie Konzertbesucher gekleidet sind. Dann lässt sie sich ein auf die ungewohnten Klänge der alten Orgel. Sieht die Veränderungen des Lichtes in der schlichten Kirche. Schaut auf die Kerzen des Altars und den Blumenschmuck. Sie ist ganz bei sich selbst und spürt, wie die Klangfarben der Orgel ihre Seele berühren. Gut, dass sie anschließend mit ganz unbekannten Menschen sprechen kann bei einem Glas Apfelsaft aus dem Pfarrgarten.

Am nächsten Morgen orientiert sie sich auf der Karte über die bevorstehende Etappe. Sie genießt das stille Frühstück und befestigt gekonnt das wenige Gepäck am Fahrrad. Sie hat es nicht eilig. Fährt die kurze Strecke zu der Kirche und sucht noch einmal den Platz auf, wo sie inmitten so vieler Menschen gesessen hat. Jetzt hat sie die Kirche ganz für sich.

In der Altarbibel liest sie den Predigttext. Jesus sagte: Geht los und erzählt, „das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“. Und er gab die seltsame Anweisung: „Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürtel haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.“

Dann blättert sie im Besucherbuch. Zögernd nimmt sie den Stift in die Hand und schreibt: „Danke! Es fühlt sich an wie Zuhause. Immer noch traurig. Immer noch Fragen. Immer noch wenig Antworten. Aber immer ein bisschen besser. Klarer, leichter. Danke für diese und viele „offene“ Kirchen, die Trost spenden.“

Gerade ist sie startklar, da hört sie über sich ein fröhliches Geklapper. Jungstörche machen ihre Flugübungen. „Seht die Vögel unter dem Himmel“ denkt sie lächelnd, und macht sich auf ihren Weg.

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