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Trauer – eine andere Form der Liebe

Jeder Mensch ist einmalig. Jede Liebe ist einzigartig. Jede Trauer ist anders, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist.
Oft habe ich mit Menschen gesprochen, die durch den Tod eines Angehörigen tief erschüttert waren. In sehr innigen Gesprächen wurde deutlich, was alles auf der Seele lag. Manches konnte öffentlich in Erinnerung gerufen werden in der persönlich gehaltenen Trauerfeier. Anderes war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und klang in liturgisch geprägten Worten an. Dann haben wir unsere Toten begraben. Ich sage: wir haben sie der Erde anvertraut. Gleichzeitig haben wir sie der Liebe Gottes anvertraut. Unsere Toten ruhen in Gott, sichtbar im Gottesacker.

In den 1970er Jahren meinte man, die Trauer in verschiedene Phasen einteilen zu können. Ziel der „Trauerarbeit“ war es, möglichst schnell alle Phasen zu durchlaufen, um dann loslassen zu können. In dieser Denkrichtung war es folgerichtig, anonyme Bestattungsformen zu ermöglichen.

Das halte ich für falsch. Es geht nicht darum, Verstorbene loszulassen, denn sie gehören zu unserem Leben dazu. Das wurde mir bei einer Hochzeit deutlich. Der Vater war verstorben, als der heutige Bräutigam noch nicht sprechen konnte. Bei der Hochzeit haben wir ihn in unser Gebet aufgenommen. Niemand hat Zweifel daran geäußert, dass der Vater des Bräutigams geistlich so nahe war, wie die Mutter des Bräutigams körperlich und seelisch anwesend war. Körperlich geht mit dem Tod etwas unwiederbringlich zu Ende, aber wir können den Verstorbenen nicht einfach aus unserem Leben auslöschen.

Was bleibt, wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen?

Alles ist jetzt ganz anders: keine Umarmung, kein Streit, kein gemeinsames Lachen, kein belangloses alltägliches Miteinander, keine neuen unvergesslichen Augenblicke. Alles, was so selbstverständlich erschien und wofür man keine Worte hat, ist nicht mehr. Was bleibt dann noch? Ich stimme Paulus zu, der sagte: Was bleibt, ist die Liebe. Thornton Wilder hat es so geschrieben: „Was bleibt, ist die Liebe. Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn.“

Diese Liebe verändert sich durch den Tod. Die Liebe zieht das Kleid der Trauer an. Mit der Trauerfeier ist weder die Liebe noch die Trauer beendet. Trauer braucht einen Ort. Das kann ein besonders schöner Ort sein. Auch das Grab ist wichtig, damit wir dem Schmerz Raum geben können. Und indem wir das Grab mit einem Stein und mit lebenden Pflanzen gestalten, erkennt unsere Seele das Unabänderliche und die Schönheit im Werden und Vergehen der ganzen Schöpfung.

Kinder fragten mich vor Beerdigungen: „Wo ist Oma jetzt?“ „Wo ist Papa jetzt?“ Dann rede ich nicht von Wolken oder Sternen, sondern ich erkläre, dass wir den Leib in die Erde legen. Auf unsichtbare Weise ist Oma oder Papa da. Wir nennen es: sie ist bei Gott. Das können wir nicht sehen, aber manchmal ganz intensiv spüren. Auch noch nach vielen Jahren, sogar bei einer Hochzeit.

Menschen brauchen einen Ort für die Trauer. Das lehren uns die schrecklichen Erfahrungen, wenn nach einem Unglück keine körperlichen Spuren eines Verstorbenen begraben werden können. Oder wenn Trauernde hilflos am Ostseestrand stehen, zwischen den Badegästen, und nicht wissen, wohin mit ihren Blumen und mit ihren Tränen.

Weil es heute für viele nicht möglich ist, ein Grab lange Zeit zu pflegen, haben wir auf unseren Friedhöfen neue Formen geschaffen, wie man ohne Pflege einen würdevollen Ort hat.
Niemand braucht sich zu sorgen, noch nach dem Tod den Angehörigen durch die Friedhofspflege zur Last zu fallen.
Früher ist man mit Oma und Opa ganz selbstverständlich zum Friedhof gegangen, wenn man zu Besuch kam. Heute traut man sich nicht einmal, mit den Enkeln darüber zu reden. Aber vielleicht lassen Sie sich unsere Friedhöfe einmal von Ihrem Enkel auf dem Handy zeigen. Dann kann man über manches ganz offen reden.

Wählen Sie eine pflegefreie Bestattung auf einem unserer kirchlichen Friedhöfe. Ihren Enkeln zuliebe. Unsere Friedhofsbeauftragten beraten Sie gern!

Ihr
Pastor Eckhard Kruse

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