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Gastfrei zu sein vergesst nicht!

"Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe.

Gastfrei zu sein vergesst nicht;
denn dadurch haben einige
ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

(Predigttext Hebräer 1, 1-2)

Liebe Gemeinde zu Hause!

An diesem Sonntag feiern wir einen Gottesdienst für das gesamte Kirchspiel in Vietze. Das ist schön, und irgendwie auch gar nichts Besonderes mehr. Denn wir wachsen immer mehr zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammen. Sogar in diesem Jahr 2020 mit all den Einschränkungen durch das Coronavirus.

Das ist mir bewusst geworden, als wir aus jedem der sieben Kirchenvorstände zusammenkamen, um die Gottesdienste für den Herbst zu planen. Wir wussten, dass jedes Planen unter dem großen Vorbehalt steht, ob es zu einer zweiten Welle der Pandemie kommt.

Fast selbstverständlich war es, wie wir nicht in Konkurrenz zueinander, sondern wirklich gemeinsam für alle sieben Kirchen überlegt haben: was ist möglich, wo bietet es sich an, Gottesdienst zu feiern? Die Alte Kapelle in Vietze ist sehr klein, da kann man eigentlich nur Gottesdienste im Freien planen. Also haben alle gesagt: dann sollten wir unbedingt jetzt im Sommer nach Vietze einladen.

Ich erinnere daran, wie es vor 11 Jahren gewesen ist. Damals sind wir ganz neu und mit einem Zögern aufeinander zugegangen. Früher hatte jeder seine eigene Heimatkirche.

Man ging nicht in die Nachbarkirche, außer zu einer Hochzeit, zu einer Taufe oder zu einer Beerdigung. Aber bei einem ganz normalen Gottesdienst, da kannten wir die Kirchen immer nur von außen. Mir war es von Anfang an wichtig, dass wir in allen sieben Kirchen, in Vietze und Meetschow, in Gartow und Restorf, in Holtorf, Kapern und Schnackenburg eine gemein-same geistliche Heimat finden.

So haben wir uns in den Winterreisen gegenseitig besucht. Jede Gemeinde war einmal Gastgeberin, die anderen sechs Gemeinden kamen als Gäste. Wir haben miteinander Gottesdienst gefeiert – da waren sogar im Januar alle Kirchen voll besetzt und man konnte schön singen. Anschließend haben die Gastgeber alle mit belegten Broten und selbstgebackenem Kuchen bewirtet.

Der gemeinsame Gottesdienst, aber genauso das gemeinsame Essen und Trinken war wichtig. Viele kannten sich schon aus anderen Zusammenhängen. Aber wenn man eine Kirchengemeinde werden soll, dann ist das noch etwas ganz anderes.

So sind wir Jahr für Jahr zusammengekommen, und es war immer wieder schön. Daran musste ich bei dem heutigen Predigttext denken:

„Gastfrei zu sein vergesst nicht;
denn dadurch haben einige
ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“

Ich bin sehr dankbar für diese Gastfreundschaft in unserem Kirchspiel. Es tut gut, wenn ein Dorf die Menschen aus dem Nachbardorf freundlich einlädt und bewirtet. Gerade die kleinen Dörfer sind tolle Gastgeber.

So waren wir bereits eine Gemeinschaft geworden, als sich vor fünf Jahren etwas ganz unerwartet verändert hat. Wir wurden auf neue Weise Gast-geber, denn Menschen kamen durch die Flucht in unsere Gegend. Sie hatten eine ganz andere Kultur und sprachen fremde Sprachen. Menschen haben sich in Vietze und in allen Gemeinden für die neuen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner eingesetzt. Manche Migranten sind weitergezogen. Andere beginnen, hier Fuß zu fassen. Ich denke an wunderbare gemeinsame Feste zurück. Alle haben mit den Spezialitäten ihrer Heimat dazu beigetragen, dass es ein ganz besonderes Buffet gab. Bei dem gemeinsamen Essen kam man sich auch menschlich näher.

Ja, manche haben auch Engel beherbergt. Die Gastfreundschaft beruhte auf Gegenseitigkeit.

„Gastfrei zu sein vergesst nicht;
denn dadurch haben einige
ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“


All dies hat sich in diesem Jahr 2020 sehr verändert. An Stelle der gemeinsamen Begegnungen sind alle auf Abstand bedacht.

Nicht, um Distanz zu wahren oder weil man die anderen nicht sehen will, sondern als Schutz vor dem Coronavirus. Wir schützen uns gegenseitig bei allem Respekt und der Hochachtung voreinander, und wir freuen uns, wenn wir uns zulächeln können. Es ist wichtig, Abstände einzuhalten. Aber es ist auch sehr schmerzlich. Denn das gemeinsame Essen und die persönlichen Begegnungen schenken uns eine persönliche Nähe. Und diese Nähe fehlt uns sehr.

Das gilt nicht nur für das Miteinander von vormals Fremden, das gilt genauso gegenüber Menschen, mit denen wir schon viele Jahre zusammenleben in unserem Dorf, oder eben auch in unserem Kirchspiel. Wir brauchen und suchen Gemeinschaft. Doch wir werden daran gehindert. Nicht aus Böswilligkeit heraus, sondern zum Schutz unserer selbst und zum Schutz unseres Nächsten. Es wäre nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn wir jetzt nachlässig werden und einander nicht mehr schützen.

Vieles ist eingeschränkt. Es gibt auch eine ganz große Hilfsbereitschaft. Aber wie gern wären wir gastfreundlich. Selbst wenn wir dadurch nicht jedesmal Engel beherbergen. Gerade die Gastfreundschaft, die uns in dem Predigttext nahegelegt wird, können wir nicht ausüben. Oder nur sehr eingeschränkt. Dieser Eindruck drängt sich auf. Es ist nicht leicht, gastfreundlich zu sein in diesen Tagen. Aber es ist nicht ganz unmöglich.

Ein Beispiel sind diese „Andachten für zu Hause“. Ich denke an Menschen, die heute nicht an dem Gottesdienst teilnehmen können. Das gab es auch schon vor Corona. Vielleicht hat diese Krise auch darin ihr Gutes, dass wir jetzt ein Blatt mit dem Inhalt des Gottesdienstes in die Häuser bringen, und möglichst niemanden vergessen, der auf solche Zeichen der Gemeinschaft angewiesen ist.

Mir wurde erzählt, dass jemand gerade den Fernsehgottesdienst angeschaut hatte, als es an der Tür klingelte, und jemand aus dem Kirchenvorstand eine „Andacht für zu Hause“ vorbeibrachte. Das war eine große Freude: Wir haben gerade unseren Gottesdienst gefeiert, und jetzt merken wir, dass wir gleichzeitig zu unserer Gemeinde gehören. Das wird in allen Dörfern unseres Kirchspiels gemacht.

Manche wären gern gastfreundlich und würden die Besucher am liebsten zum Verweilen einladen. Das ist schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich, wenn jemand bei verschiedenen Menschen einen kurzen Gruß vorbeibringen will.

Solch ein kurzes Gespräch an der Haustür sollten wir nicht unterschätzen. Und wir haben neben dem persönlichen Gespräch auch noch andere Möglichkeiten. Wenigstens können wir noch telefonieren.

Daher habe ich mich eingereiht in eine Liste für Telefonandachten. Pastorinnen und Pastoren aus unserem Kirchenkreis halten eine Andacht am Telefon. Die vertraute Stimme schenkt Nähe. Vom 26. Juli bis zum 1. August können Sie meine Stimme mit dieser Predigt am Telefon hören.
Wenn Sie Telefon Nummer 0 58 41 – 9 74 81 65 anrufen, können Sie Pastorinnen und Pastoren (manchmal auch mich) hören. Sogar während meines Urlaubs, denn ich habe ein paar meiner „Gottesdienste für zu Hause“ aufgenommen. Die Andachten wirken völlig anders, wenn man sie hört, als wenn man sie liest.

Ein weiteres Beispiel fällt mir ein: Man kann einmal zum Telefonhörer greifen und jemanden anrufen, dem man schon lange nicht mehr begegnet ist. Dann kann man sich etwas erzählen. Das ist besser, als überhaupt keine Begegnung. Ein Besuch am Telefon kann in diesem Jahr eine Möglichkeit sein, dem Aufruf des Hebräerbriefes nachzukommen:

Gastfrei zu sein vergesst nicht;
denn dadurch haben einige
ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“

Vater Unser

Es segne und behüte uns der dreieinige Gott!

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