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Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes

Warnung und Verheißung der Gebote

So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.

So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat, und wird dich lieben und segnen und mehren, und er wird segnen die Frucht deines Leibes und den Ertrag deines Ackers, dein Getreide, Wein und Öl, und das Jungvieh deiner Kühe und deiner Schafe in dem Lande, das er dir geben wird. (5. Mose 7, 9-13a)

Liebe Gemeinde zu Hause!

An diesem Sonntag geht es traditionell um die Taufe – also um die Frage, was unsere Taufe für uns heute bedeutet. Wir wurden ganz am Anfang unseres Lebens getauft. Hat das Auswirkungen darauf, wie wir unseren Alltag gestalten?

Der Taufbefehl und die 10 Gebote sind für uns Lutheraner sehr eng verknüpft. Doch näher betrachtet bilden sie ein Gegensatzpaar. Zumindest gibt es eine Spannung, die wir auch als den Gegensatz von Evangelium und Gesetz bezeichnen. Einerseits sind wir durch die Taufe in den Machtbereich Gottes gestellt und frei. Andererseits sind wir gebunden an die 10 Gebote.

Wir dürfen wissen: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Gal 5,1) Welcher Zuspruch könnte schöner sein? Wie nutzen wird diese Freiheit? Nur für uns selbst – oder auch für unsere Nächsten?

Was soll der in Christus freie Mensch tun, was soll er lassen? Diese Fragen sind so alt wie die Menschheit und müssen täglich neu beantwortet werden. Jesus fasste die 10 Gebote in einen Satz: „Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.“

Schon als Schüler nahmen wir uns Freiheiten gegenüber unseren Lehrern heraus. Doch die Freiheit endet, wo die Freiheit des Nächsten auf körperliche Unversehrtheit berührt wird. Daher kommen untrennbar mit der christlichen Freiheit die 10 Gebote ins Spiel.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass ich vor einigen Wochen erklärt habe: „Ich bin so frei, die Maske zu tragen.“ Diese Gedanken stehen immer noch auf dieser Website unter Aktuelles. Dort findet sich auch ein sehenswertes Video, in dem Pastoren und Diakone Mut machen, die Mund-Nasen-Masken zu tragen.

Erinnern Sie sich noch daran, als Sie zum ersten Mal eine solche Maske getragen haben? Das ist ja noch nicht so lange her, und es war ein peinliches Gefühl. Heute beginnt für viele ein Gewöhnungseffekt. Die neue Mode hat viele kreative Farben in den Alltag gebracht. Wenn man die Maske mal vergisst, ist es jetzt ein peinliches Gefühl, nicht richtig angezogen zu sein.

Der Nutzen der Mund-Nasen-Masken und des Ab-standsgebotes sind unstrittig. Zu offensichtlich ist der Erfolg dieser Schutzmaßnahme. Während welt-weit die Zahlen der Erkrankungen mit furchtbaren Langzeitfolgen bis hin zum Tod steigen (in den letzten 100 Stunden stieg die Zahl der Infizierten um eine Million) gibt es in unserem Landkreis einen Negativrekord. Wir sind es ja gewohnt, immer an der letzten Stelle von Vergleichslisten aufgeführt zu werden, aber jetzt bedeutet der letzte Platz, dass wir die wenigsten Infektionen gemessen an der Einwohnerzahl haben. Das liegt nicht nur an der Bevölkerungsdichte, sondern an dem vorbildlichen Verhalten der Menschen.

Während in Amerika täglich neue Rekordzahlen von Corona-Infizierten gemeldet werden, wird dort gleichzeitig die Sorge um die Freiheit dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung übergeordnet. Damit wird ein kultureller Unterschied deutlich, der tiefe Wurzeln in der Geschichte hat.

Der europäische Freiheits-Begriff lässt sich mit dem amerikanischen Begriff von Freiheit nicht vergleichen. Ein Ausflug in die Historie hat hier keinen Platz, wäre jedoch notwendig, wenn man Verständnis füreinander entwickeln will.
Auch innerhalb unseres Landes ist der Freiheitsbegriff sehr unterschiedlich. Während die Einen Freiheit mit Freibier gleichsetzen, und (salopp gesagt) gern mal die Sau rauslassen, (Stichworte wie „Ballermann“ mögen hier genügen) ist für die Anderen der Freiheits-Begriff sehr schwer auf den Punkt zu bringen. Vielleicht am Besten mit dem Satz von Albert Schweitzer, der die Ehrfurcht vor dem Leben auch der Alten und Kranken lehrte: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Die christliche Freiheit war für Martin Luther ein zentrales Anliegen. Durch die Taufe sah er die Christen aus dem Machtbereich des Teufels befreit und in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes gestellt. Das brachte er in der Freiheitsschrift auf die beiden Seiten einer Medaille. „Ein Christ ist ein freier Mensch und niemandem untertan.“ Und auf der anderen Seite der Medaille steht: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“

Die Befreiung von den Mächten des Bösen macht uns frei, uns dem Nächsten zuzuwenden, ohne ihm Schaden zu wollen. Die Mund-Nasen-Masken dienen bekanntlich nicht dem Selbstschutz, sondern zum Schutz des anderen. Der andere ist eine mögliche Gefahr für mich. Davor kann ich mich nur durch Abstandsregeln schützen. Gleichzeitig, kann ich das Virus in mir tragen, ohne dass ich irgendwelche Symptome habe und nichts davon weiß. Um meinen Nächsten zu schützen, trage ich solch eine Maske. Gerade wenn in diesen Wochen viele aus den Großstädten in unserem herrlichen Kirchspiel Erholung suchen und finden wächst natürlich die Gefahr. Dieser Gefahr können wir mit einfachen Mitteln begegnen.

Wer für sich die Freiheit beansprucht, andere möglicherweise (auch unwissend) schädigen zu dürfen, wird die Maske vermeiden, oder falsch aufsetzen. Man sieht ja häufig Leute, die nicht die Nase bedecken, sondern nur den Mund. Ob man gleichzeitig Christ sein kann, wenn einem der Nächste völlig egal ist, bleibt zumindest fraglich. Jedenfalls hat Martin Luther es verstanden, sehr eindrücklich die 10 Gebote (nicht Verbote!) als christliche Grundregel auszulegen.

Um ein Beispiel zu nennen: Das fünfte Gebot lautet: „Du sollst nicht töten.“

Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserem Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, / sondern ihm helfen und beistehen in allen Leibesnöten.“

Die Taufe befreit uns dazu, Regeln einzuhalten zum Schutz des Nächsten, selbst wenn wir uns daran neu gewöhnen müssen. Mit einer Einschränkung der persönlichen Freiheit hat das nichts zu tun. Sondern es geht um unsere Verantwortung gegenüber unserem Mitmenschen und vor Gott.

Der Predigttext macht uns deutlich, wie lange Untaten nachwirken können. Taten aus dem Zweiten Weltkrieg belasten nicht nur die Opfer, sondern noch deren Kinder und Enkel, selbst wenn das selten bewusst wird. Gutes aus der Zeit Jesu wirkt nun schon 2.000 Jahre. Das sind zwar erst 67 Generationen, aber es ist vorstellbar, dass das Gute auch in 28.000 Jahren noch wirken wird.

Gestern haben wir ein Kind getauft. Als junger Pastor hatte ich den Wunsch, den Kleinsten der Gemeinde eine geistliche Heimat schenken zu können. Der Uropa des Täuflings war damals noch sehr stark. Kräftig hat er mit dem großen Hammer den alten Betonboden herausgeschlagen. So ist der Freiraum entstanden, in dem sich seit 25 Jahren die Krabbelgruppen treffen. Wenn er bei der harten Arbeit gewusst hätte, dass sein Urenkel dort laufen gelernt hat, er wäre tief glücklich gewesen. Das Gute wirkt, auch wenn wir es uns nicht vorstellen können, über Generationen hinweg.

So lasst uns das Lied singen (EG 295) oder beten:

Mein Herz hängt treu und feste / an dem, was dein Wort lehrt. / Herr, tu bei mir das Beste, / sonst ich zuschanden werd. / Wenn du mich leitest, treuer Gott, / so kann ich richtig laufen / den Weg deiner Gebot.

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