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Gemeindebrief Herbst 2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In Mecklenburg fand ich eine Postkarte mit dem Satz: „Watt soll ick mi hüt uprägen över dat, watt morgen garnich kümmt.“ Angesichts der vielen Katastrophen, die uns bewegen, ist das ein wichtiges Motto für mich. Nur mit Gelassenheit, klarem Kopf und Humor lässt sich das Leben bewältigen.

Jesus sagte: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.“ In der norddeutschen Übertragung also: „Watt soll ick mi hüt uprägen över dat, watt morgen garnich kümmt.“ Diese Sorglosigkeit wünsche ich mir – von mir selbst und von Ihnen.

Das ist das Gegenteil einer Vollkasko-Mentalität, in der man sich gegen alles absichert. Geschäftemacher wollen einem „Rundum-sorglos-Pakete“ verkaufen. Sie machen ihren Gewinn mit den Sorgen der Menschen. Sichern sich selbst ab im Kleingedruckten und berechnen genau, welches Risiko sie tatsächlich eingehen. In der Bevölkerung aber ist die Wahrnehmung des Risikos eine andere. Man geht von persönlichen Eindrücken oder Gefühlen aus - und rechnet nicht mit statistischen Aussagen. Um ein Beispiel zu nennen: Viele denken, es sei gefährlich, mit einem Flugzeug zu fliegen.

Statistiker sagen, es ist gefährlicher zu Hause auf eine Leiter zu steigen, um Gardinen aufzuhängen. Da passiert eher etwas, als beim Fliegen. Häusliche Unfälle können katastrophale Folgen haben. Doch solche realen Gefahren sehen wir gelassener.
Oder in einem anderen Beispiel: Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, dass man bei einem Gewitter von einem Blitz getroffen wird, als dass man sechs Richtige im Lotto gewinnt. Trotzdem geben Menschen auf lange Sicht viel Geld aus, immer in der Hoffnung, einmal den ganz großen Gewinn zu machen.

Ob wir uns bei der Wahrnehmung eines Risikos eher an Statistiken halten oder eher an unser Gefühl: unberechtigte Ängste und Sorgen rauben uns viel Kraft. „Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.“ Mit dieser Haltung gewinnen wir Gelassenheit.

Im Fernsehen sah ich einen Clip. Ein Junge verpasst ganz knapp seinen Schulbus. Dann lächelt er in die Kamera und sagt „Das Beste am Norden ist unsere Gelassenheit.“ Statt sich Sorgen zu machen akzeptiert dieser Schüler seinen Fehler. Er wird daraus lernen, sich künftig rechtzeitiger auf den Weg zu machen. Andere wären aufgeregt, sie würden sich ängstigen. Und sie müssten das Gleiche lernen, sich künftig rechtzeitiger auf den Weg zu machen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht um falsche Dinge sorgen. Ich wünsche uns, dass wir mit Gelassenheit und auch mit Humor die Tücken des Alltags meistern. „Denn watt soll ick mi hüt uprägen över dat, watt morgen garnich kümmt?“

Ihr
Eckhard Kruse, Pastor
Bleibt behütet!

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