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Kirchen & Kapellen

Über Kirchen & Kapellen: Die offene Kirche

Zwei Bekannte treffen sich vor der Kirche, die an diesemTag geöffnet ist. „War’ste drin?“ „Ja, gucken schadet nix.“

Oberflächlich betrachtet hat der Kirchenbesucher sicher recht. Geöffnete Kirchen sind ein völlig unverbindliches Angebot für die Allgemeinheit. Gleichwohl vermute ich, daß er intuitiv gespürt hat, was an einem solchem Ort erfahrbar ist: Die Begegnung mit dem Heiligen ist gefährlich. Aber er hat keinen Schaden davon getragen. Er ist auch nicht auf platte Weise vereinnahmt worden.

Ein Kirchenbesuch kann als schädlich empfunden werden, weil man mit einem Bereich zusammenkommt, der im Leben sonst fehlt oder verdrängt wird. Man hat sich ein halbwegs funktionierendes Weltbild aufgebaut, und plötzlich erkennt man eine neue Dimension. Aber es muß nicht von Schaden sein, wenn man sich darauf einläßt. Im Gegenteil!

Meine Erfahrung ist, daß kirchlich distanzierte Menschen sehr daran interessiert sein können, mit Glaubenden ins Gespräch zu kommen. Sie suchen jedoch keine dogmatischen Wahrheiten, die nur auf dem Papier stehen und nicht zu Herzen gehen. Eindeutig gestaltete offene Angebote werden wahrgenommen. Viele lassen den Kirchenraum auf sich wirken und setzen dies mit sich selbst in Beziehung. Radfahrerinnen halten inne. Urlauber nehmen sich Zeit und verweilen in der Kirche. Sie entdecken die Langsamkeit und schöpfen Kraft, die seit Jahrhunderten in unseren Kirchen spürbar ist.

Jesus sagte zu seinen Freunden: Darum gehet hin in den Alltag der Menschen. Erzählt und lebt, was euch im innersten bewegt. Bringt den Frieden in die Welt. Wartet nicht darauf, daß am Ende der Zeit die Völker sich auf den Weg machen zum Tempel. Verlaßt die geschlossenen Räume und geht dorthin, wo die Menschen auf ein Wort des Friedens und der Freiheit angewiesen sind. Wir verstehen unsere geöffnete Kirche, den „Gartower Orgel Sommer“ und in vielfältigen Gottesdiensten und Veranstaltungen als solch ein Angebot.

Wir machen es in diesen Tagen genau anders, als man es von uns erwartet. Im Alltag ist die Kirche offen, und am Sonntag verlassen wir die geschlossenen Räume. Die Gemeinden unserer Region kommen am Gartower See zusammen, um dort Gottesdienst zu feiern. In der freien Natur erleben wir die Schöpung bewußt. Wir spüren den Wind auf der Haut und lassen uns das Evangelium zu Herzen gehen. Gäste im Urlaubsalltag kommen zufällig hinzu.

Wo wir am wenigsten damit gerechnet haben wird Wirklichkeit, was Jesus seinen Freunden vor langer Zeit verheißen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Sie zweifeln? Gucken schadet nix.

Eckhard Kruse

Pastor in Gartow

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