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Kirchenmusik

Kirchenmusik-Archiv: OhrenBlickmal

Gedanken zum 17. Sonntag nach Trinitatis
von Pastor Eckhard Kruse, Gartow

An diesem Wochenende findet der Sprengelposaunentag statt, an dem viele Posaunenchöre gemeinsam spielen. Wer es miterlebt hat, erinnert sich dann an die 16.000 Bläserinnen und Bläser, die im Mai die Stadt Leipzig in einen Ort der Spiritualität verwandelten.

Für den Ersten Deutschen Posaunentag in Leipzig wurde ein neues Wort erfunden: OhrenBlickmal. Denn man konnte sehen und hören, was doch nur ganz kurzen Bestand hatte. Ein waschechter Sachse erklärte es so: „Schieben Sie den Unterkiefer vor, rühren mit der Zunge 2-3mal im Mund und …“ Da ließ sich dieses Wort kaum unterscheiden von dem Ausruf: „Augenblick mal!“

Oft möchten wir einen kurzen Moment festhalten für die Ewigkeit. Ich erinnere mich, wie in meiner Kindheit die Erwachsenen bei festlichen Anlässen das Lied anstimmten: „So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehn!“ Da schwang das Wissen mit: natürlich läßt sich dieses Erlebnis nicht festhalten. Kein Klang, kein Bild bleibt – daher sang man auch: der dürfte nie vergehn. Wir sangen nicht: der bleibt ewig bestehn.

Manchmal gewinne ich den Eindruck, als sei dieses Wissen um die Vergänglichkeit allen Lebens und aller Entscheidungen verloren gegangen.

Wenn wir Abschied nehmen müssen von einem lieben Menschen sind wir besonders erschüttert, und uns wird der Wert des Lebens und des Tages neu bewußt. Dann will man wenigstens den Moment der Trauerfeier auf lange Zeit bewahren.

Schwierig wird es, wenn Menschen die Zukunft festschreiben wollen und nicht mehr offen sind für Änderungen. Matthias Claudius sang: „Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“ Wenn wir Zukunft berechnen wollen, und Entscheidungen für unvorstellbare Zeiträume garantieren wollen, müssen wir uns fragen lassen, ob dies wirklich vernünftig und christlich ist. Zukunft läßt sich nicht berechnen. Das gilt für unser persönliches Leben, und für unsere Wissenschaft und Technik gilt es auch. Das Beispiel der Asse zeigt überdeutlich, wie problematisch es ist, wenn man sich auf einen Weg in eine Sackgasse begibt und nicht rechtzeitig einen neuen Weg einschlagen kann. Was für die Asse gilt, ist auch für jeden einzelnen zu bedenken. Umkehr ist erforderlich wissen wir als Christen. Jeder Tag hat seine eigene Aufgabe.

Wir können besonders wichtige Momente in unserem sterblichen Leben tief in unserer Seele aufnehmen. Das hilft uns, die Zukunft zu meistern. Wir haben dann auch für einen „OhrenBlick“ Anteil an der Ewigkeit Gottes.

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