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Seelsorge

Besinnung: Ehrfurcht vor dem Leben

„Ich hatt’ einen Kameraden“ klingt es allerorten am Volkstrauertag. Die öffentlichen Gedenkstunden nach festem Ritual erinnern an die Toten beider Weltkriege.

Vor einigen Jahren sind wir im Gartower Pfarrhaus zusammengekommen, um uns über die Bedeutung dieses Tages zu verständigen. Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, der Schützengilde, des Männerchores und des Posaunenchores kamen mit Bürgermeister und Pastor überein, daß es uns allen wichtig ist, an die Opfer der Kriege zu erinnern. Die Älteren verbinden eigene Erfahrungen damit – auch nach Jahrzehnten werden mit der Erinnerung Gefühle der Trauer und der Einsamkeit wach. Die Jüngeren werden zunächst schweigen und bescheiden dabei stehen. Und sie sollen daraus lernen, wie wichtig es ist, den Frieden zu bewahren. Gemeinsam wollen wir in Würde der Toten gedenken. Wir wollen zusammenstehen gegen Haß und Gewalt auch in unserer Zeit.

Wir haben uns ausgetauscht über große Begriffe wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Friede. Sie alle stehen für ein hohes Gut, welches stets gefährdet ist und uns nur bewahrt bleibt, indem wir uns dafür einsetzen. Es fällt uns nicht zu und ist gleichzeitig ein Gottesgeschenk. Wir sehen uns als Gemeinschaft sehr unterschiedlicher Menschen und es ist gut zu wissen, daß wir in solchen Grundfragen uns sehr nahe sind. So sind die Reden und die Musik von Ehrfurcht vor dem Leben geprägt. Wir wünschen uns den Frieden. Den Frieden in der Seele der Trauernden. Den Frieden untereinander in unserem Ort und den Frieden für alle Völker dieser Erde.

Ludwig Uhlandt hat mit 22 Jahren das Lied geschrieben: „Ich hatt’ einen Kameraden“. Er setzte sich begeistert ein für die Freiheit in Zeiten der Besatzung. Damals durch das Heer Napoleons. Später wurde es das Lied der Freiheitskämpfer in ganz Europa. So wurde es in Spanien zur Hymne gegen die Faschisten. Ich spiele es auf der Posaune für jene Menschen, die ich in Deutschland nach 1945 bitter vermisse, die unserem Land eine besondere Richtung hätten geben können. Zu ihnen zähle ich Dietrich Bonhoeffer.

Bonhoeffer sagte in seiner Predigt am Volkstrauertag 1932 in Berlin: „Volkstrauertag in der Kirche! Was heißt das? Es heißt Aufrichten der einen großen Hoffnung, von der wir alle leben, der Predigt vom Reich Gottes. Es heißt, das Vergangene, an das wir heute denken, mit all seinen Schrecken und in all seiner Gottlosigkeit sehen, und doch nicht erschrecken, sondern hören auf die Predigt vom Frieden. Es heißt hinausblicken über die Grenzen unseres Volkes, über die ganze Erde und beten, daß das Evangelium vom Reich, das allen Kriegen ein Ende setzt, nun über alle Völker komme, und daß dann das Ende komme, daß Christus naht.“

Seinen damals sehr mutigen Worten möge der Volkstrauertag gerecht werden.

Eckhard Kruse
Pastor in Gartow

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