Ein hervorragender Kenner

Landeskirche weist Kritik an Beauftragung für Endlagerfragen zurück

Hannover/Gartow (epd). Die Ernennung des Pastors Eckhard Kruse aus Gartow zum Beauftragten der hannoverschen Landeskirche für die Endlagersuche ist in der Region auf Kritik gestoßen. Der evangelische Pastor der Kirchengemeinde bei Gorleben ist offizieller Vertreter der Kirche in Gremien, die sich mit der Suche nach einem atomaren Endlager befassen. Der Gartower Tierarzt Matthias Herbst und der Schnackenburger Landwirt Ulrich Flöter haben dies in einem Brief an den Kirchensenat kritisiert. Sie monieren vor allem, dass eine Theologin zu Kruses Unterstützung angestellt worden sei, während zu Jahresbeginn in Gartows Nachbargemeinde aus finanziellen Gründen eine Pfarrstelle gestrichen wurde. Die Landeskirche wies die Kritik am Montag zurück.

Die Landeskirche sei auch vonseiten des zuständigen Bundesministeriums gebeten worden, den weiteren Beratungsprozess um ein Endlager zu begleiten, sagte der Geistliche Vizepräsident Arend de Vries am Montag dem epd. Kruse, der seit fast 20 Jahren Pastor in Gartow ist, sei ein hervorragender Kenner der Materie. Der Pastor ist seit Jahren für die Landeskirche auch auf europäischer Ebene in Gremien zur Endlagerfrage tätig. Jetzt werde ihm mit der offiziellen Beauftragung dafür rund ein Fünftel seiner Stelle angerechnet, so de Vries.

Da sich die Diskussion um ein atomares Endlager seit langem auf den möglichen Standort Gorleben fokussiere, nehme die Kirche in dieser Region stellvertretend für die ganze Landeskirche eine besondere Aufgabe wahr, schreibt de Vries in seiner Antwort an die Kritiker. Dabei müsse sie unterstützt werden. Der Landeskirche gehe es vor allen Dingen darum, möglich zu machen, dass Vertreter unterschiedlicher Meinungen miteinander ins Gespräch kommen.

Herbst und Flöter haben kritisiert, dass im Juni eine Kandidatin des Predigtamtes eingestellt worden war, um Kruse in der Gemeinde zu unterstützen. Wenige Monate zuvor sei die Pfarrstelle in Schnackenburg aus finanziellen Gründen gestrichen worden und die beliebte Pastorin habe die Gemeinde verlassen. Schnackenburg gehört seitdem zum Amtsbereich Kruses.

Er könne die Enttäuschung über notwendige Stellenkürzungen verstehen, schreibt de Vries. Jedoch habe der Auftrag Kruses mit der Stellenplanung des Kirchenkreises nichts zu tun. Die Einsparung der Pfarrstelle sei eine Entscheidung des Lüchow-Dannenberger Kirchenkreistages darüber, wie mit schwindenden Mitteln umgegangen werde. Die Kandidatin des Predigtamtes, die Kruse für zwei Jahre unterstütze, werde aus Mitteln der Landeskirche bezahlt. Damit würden befristete Sonderaufträge für junge Theologen finanziert, für die es zurzeit keine regulären Pfarrstellen gebe. Würden sie nicht eingestellt, komme es in zehn bis zwölf Jahren zu einem Pfarrermangel.

epd lnb mir mil / 13.7.2009
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